29. Engelberger Symposium

 

Kraft der Emotionen
verstehen und nutzen

26. bis 27. November 2015 im Benediktinerstift

 

Leitgedanke

«Dem stärksten Willen fehlt oft die Kraft, die einer zarten Emotion selbstverständlich ist.»
(Elfriede Hablé)

 

Von Platon über Aristoteles bis hin zu den Aufklärern galt die Vernunft als die überlegene Instanz – den Gefühlen wurde eine gänzlich untergeordnete, ja sogar abwertende Bedeutung beigemessen. Die Einschätzung des Emotionalen hat in den vergangenen 20 Jahren einen radikalen Wandel erfahren. Man erkannte, Gefühle machen uns nicht zu unvollkommenen Wesen, sondern umgekehrt – unvollkommen wären wir ohne sie. Emotionen beherrschen nämlich unser Leben, auch unser Geschäftsleben. Sie sind ein wichtiger Teil unseres Denkens und Handelns und beeinflussen uns in ungeahntem Mass. Sie sind Dreh- und Angelpunkt zu Veränderung – eine Art Kompass, der uns die Richtung zeigt. Und sie lassen uns spüren, was gut oder was schlecht für uns ist, und lenken uns so durchs Leben. Emotionen besitzen ihre eigene Form von Intelligenz. Hinter unserem Emotionalen steckt also weit mehr, als wir vermuten. Guter Grund, diesem Phänomen ein besonderes Augenmerk zu schenken. Wir fragen uns: Wie lassen sich Emotionen klassifizieren und ordnen? Können wir unsere Emotionen beeinflussen? Wenn ja, wie gelingt uns dies? Und wie können wir die Kraft der Emotionen für uns, unser Umfeld und den beruflichen Alltag nutzen? Antworten auf die Fragen zu finden ist Ziel unserer Begegnung im Kloster, einem Kraftort, der wunderbar Raum für dieses Thema gibt.

Kurt Aeschbacher wird über die Kraft der Emotionen mit unseren Referenten im Gespräch sein.

Unsere Gäste sind u.a. Prof. Verena Kast, René Gut und Carla del Ponte.

 

Programm

 

Donnerstag, 26. November 2015
09:00 – Bernd Remmers
Eröffnung des 29. Engelberger Symposiums
09:15 – Kurt Aeschbacher
Begrüssung, einführende Gedanken, Moderation
09:30 – Prof. Dr. Verena Kast
Emotionen und Gefühle
Orientierungssysteme im Alltag

Verena_Kast

Der Mensch wird im Laufe seines Lebens mit den unterschiedlichsten Gefühlen konfrontiert. Prof. Dr. Verena Kast versteht es einzigartig, diese Gefühle in Worte zu fassen. Ihre lebensnahen Bücher über Liebe, Trauer, Neid und Freude erreichen ein breites Publikum. Sie vermittelt tiefe Einsichten in komplexe, psychologische Zusammenhänge und bieten Hilfe zur persönlichen Entwicklung. Dass die Jung‘sche Lehre für eine breite Öffentlichkeit übersetzt, verständlich und dadurch lebensnützlich gemacht wurde, ist ihr Verdienst. Die Psychotherapeu-
tin promovierte in Analytischer Psychologie und habilitierte über die Bedeutung der Trauer im therapeutischen Prozess. Sie lehrte an der Universität Zürich, ist Präsidentin des C.G. Jung Instituts und hat die wissenschaftliche Leitung der Lindauer Psychotherapie-Wochen inne. Verena Kast hat wesentliche Emotionsforschung betrieben. Sie ist überzeugt: «Emotionen sind für unser Seelenheil, unsere Lebendigkeit wichtig. Unsere Emotionen sind unsere Orientierung.»
10:15 – Kaffeepause
10:45 – René Gut
Mit Emotionen unternehmerisch führen – eine Schnapsidee?

Rene_Gut

René Gut führt seit 2013 als Inhaber und CEO die traditionsreiche DIWISA Destillerie in Willisau, eine der modernsten Brennereien Europas und Marktleader in der Schweiz. Der innovative Denker und Macher hatte bereits breite Erfahrung im internationalen Spirituosenbusiness als er 2004 in die Geschäftsleitung eintrat.
Seine aktuellen, rekordverdächtigen Umsatzzahlen in einer hart umkämpften Branche kommen nicht von ungefähr. Der Erfolg gründet auf einer starken Verkaufs- und Vertriebsorganisation, einer flachen Hierarchie, einer gelebten Firmenkultur und der gekonnten Emotionalisierung seiner Marken. Werte wie Aufrichtigkeit, Glaube und Disziplin wurden im Hause Gut gross geschrieben und prägen bis heute sein Leben. Der Unternehmer führt mit Authenzität und Herzblut. Beruf ist für ihn Berufung, Neugierde und Ausdauer seine Antreiber.
11:20 – Kurze Pause
11:30 – Urs Mühlethaler
Emotionen auf der Seitenlinie

Urs_Muehlethaler

Sein Leben ist eng mit dem Sport verknüpft. Sein Anspruch ist, das bestmögliche aus jedem Einzelnen herauszuholen. Urs Mühlethaler, 1995 und 2015 Schweizer Trainer des Jahres, versteht es meisterhaft, Erkenntnisse aus dem Spitzensport auf den Business-Alltag zu übertragen. Neben seiner Tätigkeit als Coach und Berater trainiert er derzeit sehr erfolgreich die Damen-Handballmannschaft Spono Nottwil, die dieses Jahr Vize Schweizer Meisterin wurde. Als erfolgreicher Profitrainer hat er erkannt, dass Emotionen eine zentrale Rolle einnehmen und ausschlaggebend für Sieg oder Niederlage sind.
«Emotionen gehören für mich im Sport ebenso wie im Berufsleben dazu. Glatt gebügelt, das passt nicht zu mir!»
12:15 – Gemeinsames Mittagessen im Benediktinerstift
14:00 – Beat Krippendorf
Wie Emotionen unser Leben bestimmen
Emotionen – Kompass unseres Verhaltens

Krippendorf

Beat Krippendorf ist überzeugt, dass wir uns am Anfang eines neuen wirtschaftlichen Zyklus befinden, in dem emotionale Vorgehensweisen gefragter sein werden als rationale.
Der Marketing- und Rhetorikexperte lehrte an der Universität Innsbruck sowie an der Hochschule für Wirtschaft in Luzern.
Seine zahlreichen Mandate und Lehraufträge haben immer wieder einen zentralen Fokus, nämlich die emotionale Energie. Im Kontext gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklungen zeigt Beat Krippendorf mit seinem ansteckenden Enthusiasmus Wege auf, sich diese Energie zu Nutze zu machen, auch unter Berücksichtigung der neuesten Erkenntnisse aus der Hirnforschung.
15:00 – Pause
15:30 – Hans Jürgen Hufeisen
Musik – Sprache der Gefühle

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Er ist ein Meister der Blockflöte und spielt diese seelenvoll. Seine Musik drückt auf schönste Art Gefühle aus, die emotionale Wirkung seiner Kompositionen bezaubert.
Hans Jürgen Hufeisen ist begnadeter Musiker auf einem Instrument das langsam aus dem Bewusstsein entschwindet – der Blockflöte. Mit sechs Jahren wünscht er sich eine Flöte zu Weihnachten und erhält die ersten Unterrichtsstunden in freier Natur: Er soll den Wind auf dem Mundstück nachahmen, das Zwitschern der Vögel – für ihn der ideale, spielerische Zugang zum Instrument. Später studiert er an der renommierten Folkwangschule. Mit 21 wird seine erste Komposition uraufgeführt, bis heute hat er Millionen CDs verkauft.
Das Leben des Hans Jürgen Hufeisen ist von extremen Emotionen durchsetzt. Himmelhochjauchzend – durch seine Liebe zur Musik, zu seinen beiden Kindern und die Entdeckung der Spiritualität. Zu Tode betrübt – durch seine unglaubliche Lebensgeschichte, die ihn prägte. «Durch seine Musik und den Glauben hat er seine Wunden in Perlen verwandeln können», beschreibt Pater Anselm Grün sein Leben.

17:00 – Ende des ersten Symposiumstages

19:00 – Gemeinsamer Abend mit Apéro unter Sternenhimmel und zünftigem Abendessen in ländlich-rustikaler Umgebung

Freitag, 27. November 2015

09.00 – Einführende Gedanken in den zweiten Tag

09.15 – Dialogplattform / Workshop mit den Referenten zu den Themen des Vortags

11:15 – Carla del Ponte
Im Namen der Anklage
Die internationale Justiz und die Suche nach Gerechtigkeit

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Der Kampf für Gerechtigkeit ist ihr Handwerk, aufgeben liegt nicht in ihrer Natur. Carla del Ponte wuchs mit drei Brüdern im Maggiatal auf. Sie studierte Juristerei – gegen den Willen ihres Vaters.
Danach war der kompromisslosen Juristin ein unaufhaltsamer Aufstieg beschieden: Als oberste Anklägerin der Schweizer Bundesbehörden ging sie schonungslos gegen Geldwäsche, Korruption, organisierte Kriminalität, Waffenschmuggel und grenzüberschreitende Wirtschaftskriminalität vor. Sie jagte die Mafia und entkam 1989 bei Palermo nur knapp einem Sprengstoffanschlag. Acht Jahre lang ermittelte sie als Uno-Chefanklägerin gegen mutmassliche Kriegsverbrecher in den Balkanstaaten und in Ruanda. 2008 wurde sie Botschafterin in Argentinien. Heute untersucht sie als Uno Ermittlerin die Menschenrechtsverletzungen in Syrien.

12.30 – Abschliessende Gedanken

12.45 – Gemeinsames Mittagessen im Benediktinerstift

14.00 – Ende des 29. Engelberger Symposiums

Mittwoch, 25. November 2015*

 

Zur Einstimmung auf das Symposium bieten wir am Vortag «Ein Tag im Kloster» zu vier spannenden Themen an.

Thema 1: Abt Christian
Wer aber im klösterlichen Leben fortschreitet, dem weitet sich das Herz

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In seinen Regeln spricht der hl. Benedikt an mehreren Stellen von den Emotionen. Dabei ist für Benedikt klar: Die Emotionen bergen in sich eine Kraft, die der Mönch klug einschätzen muss und die ihm auf seinem spirituellen Weg helfen kann. An Hand von Textbeispielen wollen wir diesen Emotionen in der Regel Benedikts nachgehen: Wie geht Benedikt damit um? Und welche Schlüsse können wir daraus für unser eigenes Leben gewinnen?
Thema 2: Bernd Remmers
Die richtige mentale und strategische Flughöhe

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Gelebte Strategien brauchen Systematik und eine hohe Kraft der emotionalen Energie. Wie erreiche ich das? Vor welchen Aufgaben stehen wir heute? Und was werden die Herausforderungen von morgen sein? Welches Handeln ist notwendig? Und welche Resultate sichern mir einen Wettbewerbsvorsprung? Der Klostertag lenkt seine Aufmerksamkeit auf unternehmerische Bestleitung durch mentale, emotionale und sachliche Konditionierung.
Thema 3: Dr. Iso Camartin
Ein Klostertag über Emotionen

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Was sind Emotionen und was stellen sie mit uns an? Wie gehen wir mit unseren Gefühlen um, das heisst: mit positiven Stimmungen, negativen Affekten, undurchsichtigen Leidenschaften? Wie bauen wir Liebeslust und Arbeitsfrust, spontane Sympathie und Hassgefühle, heisse Begehrlichkeit und kalte Distanz in die Normalität des Lebens ein? Expertise dazu holen wir beim Philosophen Spinoza und beim Naturforscher Darwin. Und vergessen nicht, dass auch die Benediktsregel, nach welcher das Kloster Engelberg lebt, schon Vorschläge darüber enthält, wie man Emotionen gott- und menschengefällig nicht nur in den Griff bekommt, sondern als ein Geschenk des Himmels ansehen muss.
Thema 4: Andrea Kindt
Emotionen erkennen & steuern!

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Jeder Mensch besitzt Charisma, jeder Mensch ruft Emotionen hervor – überall und immer. Wir fragen uns: «ist es möglich, Emotionen gezielt zu steuern? Wie können wir die emotionalen Selbst- und Fremdsteuerungen so lenken, um mit wachem Verstand, Herz und Humor in unserer Welt zu überzeugen?» Andrea Kindt, Kommunikationswissenschaftlerin und Dramaturgin der ‚Münchner Kammerspiele’, beschäftigt sich seit Jahren mit diesen Themen. Sie weiss, was Wirkung ausmacht – auch in unserem beruflichen Alltag. Tauchen wir ein in die Welt des Schauspiels und nähern uns unserem sensiblen Gespür von einer uns unbekannten Seite.